Knochenmetastasen

Wie werden Knochenmetastasen gebildet?

Knochenmetastasen bilden sich häufig aus Tumoren der Lunge heraus. Sie entstehen aus Tumorzellen, die meist über den Blutkreislauf im Körper gestreut werden und sich dann im Knochenmark ansiedeln. Erst durch das Wachstum im Knochenmark wird auch die umgebende Knochensubstanz angegriffen. Dies geschieht einerseits durch Druckschädigung; andererseits geben die Tumorzellen Substanzen ab, die im Tumorbereich das natürliche Gleichgewicht zwischen Knochenauf- und Abbau verändern und so die Knochensubstanz zerstören. Oft lösen die Metastasen einen Knochenabbau aus, doch es gibt auch knochenaufbauende Metastasen.

Die Folgen von Knochenmetastasen

Knochenmetastasen verursachen bei den betroffenen Patienten oft erhebliche Beschwerden. Durch das Metastasenwachstum wird die Knochenhaut gedehnt. Außerdem werden häufig schmerzauslösende Substanzen ausgeschüttet. Durch die Zerstörung der Knochensubstanz (Osteolyse) treten oft ohne stärkere Krafteinwirkung kleinste und größere Frakturen auf. Bei einem Befall der Wirbelsäule besteht die Gefahr, dass durch den Zusammenbruch von Wirbelkörpern Nerven oder das Rückenmark selbst gequetscht werden, was zu Lähmungserscheinungen sowie Empfindungsstörungen führen kann.

Die Folgen beim Abbau von Knochensubstanz

Beim Abbau der Knochensubstanz können größere Mengen Kalzium freiwerden. Eine über längere Zeit erhöhte Kalziummenge im Blut (Hyperkalzämie) kann Kalkablagerungen in verschiedenen Organen hervorrufen, unter anderem in der Niere oder der Hornhaut des Auges. Die Wirkung des Kalziums kann zu Herzrhythmusstörungen, zu Bauchspeicheldrüsen-
entzündungen und anderen Störungen im Verdauungstrakt führen. Psychosen und Komazustände können auftreten. Aus diesen Gründen muss ein erhöhter Blutkalziumspiegel immer behandelt werden. Dazu stehen wirksame Medikamente zur Verfügung.

Die Behandlung von Knochenmetastasen und Schmerzen

Einzelne Knochenmetastasen treten eher selten auf. Metastasenherde können mit einer räumlich begrenzten Bestrahlung behandelt werden. Wenn mehrere Knochen von zahlreichen Metastasen befallen sind, wird eine Behandlung des gesamten Knochengerüstes erforderlich. Hier ist eine Behandlung mit einer Chemo- oder Hormontherapie wirksam, oder eine Behandlung mit über den Blutweg verabreichten radioaktiven Substanzen. Eine Hormontherapie hat sich bei den Metastasen des Lungenkarzinoms nicht bewährt.

Knochenmetastasen verringern oft die Stabilität von Armen, Beinen oder der Wirbelsäule. In diesen Fällen oder wenn schon eine Fraktur aufgetreten ist, kann eine Operation zur Stabilisierung der befallenen Region helfen. Es werden häufig verstärkende Metallteile oder auch Gelenkprothesen zur Stabilisierung verwendet.

Die Knochenschmerzen können mit einer symptomatischen Schmerztherapie behandelt werden. Dabei wird jedoch das Tumorwachstum nicht beeinflusst. Schmerzmedikamente können die Ausschüttung schmerzauslösender Stoffe blockieren oder die Schmerzfortleitung und Wahrnehmung von Schmerzen vermindern.

Die Behandlung mit Diphosphonaten

Um den unterschiedlichen Folgen der Knochenmetastasierung begegnen zu können, sind oft mehrere Maßnahmen und Medikamente gleichzeitig nötig. Seit einigen Jahren steht eine Gruppe von Medikamenten zur Verfügung, die Wirkungen in allen drei Bereichen zeigt. Es handelt sich um Diphosphonate oder auch Bisphosphonate (Abkömmlinge von phosphorhaltigen Säure).

Anfang der achtziger Jahre wurden mehrere Variationen dieser Medikamente entwickelt, die zunächst bei der Behandlung des akut erhöhten Blutkalziumspiegels angewendet wurden.

Die Wirkungsweise von Diphosphonate:

Sie binden oberflächlich an die Mineralsubstanz des Knochens (Kalziumphosphat). Die von den Metastasen angeregten knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) werden dadurch in ihrer Aktivität gehemmt und die Knochenauflösung gebremst. Gleichzeitig wird der erhöhte Blutkalziumspiegel gesenkt, und die Ablagerungen von Kalziumphosphat in Weichteilen, Nieren und Arterien vermindert. In klinischen Studien zeigte sich auch, dass unter der Therapie mit Diphosphonaten auch die Knochenschmerzen nachlassen.